Theo Schoenaker „Autonome Menschen erkennt man daran, dass sie sich selbständig Ziele setzen.“ Th. Schoenaker: Mut tut gut S. 195

Die Individualpsychologie

Die Individualpsychologie nach Alfred Adler ist eine optimistische Psychologie in einer Sprache, die man verstehen und praktisch umsetzen kann.
Die Individualpsychologie, nun 100 Jahre alt, gibt die Stoßrichtung für eine demokratische Gesellschaft vor, wobei Demokratie die Gleichwertigkeit aller Menschen impliziert.

Prof. Dr. Alfred Adler (1870-1937) war Augenarzt und Neurologe und begründete mit Sigmund Freud und C.G. Jung die moderne Psychoanalyse. Adler war der politischste Kopf von den dreien, ein origineller Denker und vielleicht der größte Optimist. Nach seiner Lehre, die er Individualpsychologie nannte, kann sich ein Mensch aus Krisen herausarbeiten, wenn er lernt, sich menschenfreundlich in das Leben zu stellen, wenn es ihm gelingt, an seinen Mitmenschen Anteil zu nehmen und zum Wohl der ganzen Menschheit beizutragen. Er sieht in der Qualität der sozialen Beziehungen den Schlüssel zum Verständnis menschlicher Entwicklung.
Während Freud den Menschen als stark von der Vergangenheit bestimmt versteht, ist aus Adlers Sicht vielmehr entscheidend, dass der Mensch ein zielorientiertes Wesen ist. Adler postuliert die Ganzheitlichkeit des Menschen und seine umfassende Verantwortung für sich selbst und seine Handlungen.
Adler war Wiener und emigrierte vor der NS-Herrschaft nach Amerika. Er starb auf einer Vortragsreise in Schottland.
Aus der Schule von Alfred Adler ging u.a. Prof. Dr. Rudolf Dreikurs hervor, der sich einen Ruf gemacht hat, mit dem weltberühmten Buch: „Kinder fordern uns heraus“ und der mit Adler, Grundlagen für die humanistische Psychologie gelegt hat.

Prof. Dr. Rudolf Dreikurs (1897-1972) Professor der Psychiatrie, Schüler von Alfred Adler, Autor zahlreicher Bücher und Artikel war einer der größten Förderer der Individualpsychologie. Er hat viel dazu beigetragen, diese Psychologie allen Eltern, Pädagogen, Beratern und Therapeuten zugänglich zu machen. Als er durch den Nationalsozialismus Anfang 1937 aus Österreich vertrieben wurde, ging er auf Einladung Alfred Adlers über Brasilien nach Chicago um dort die Individualpsychologische Bewegung zu leiten. Er hat sich energisch für die Ausbildung von Laien in den individualpsychologischen Methoden eingesetzt.
Er hat durch seine vielen Reisen mit Seminaren, Vorträgen und Demonstrationen nicht nur in Amerika, sondern auch in Kanada, Europa und dem Vorderen Orient eine starke Individualpsychologische Bewegung hinterlassen. Diese Bewegung wird wohl am stärksten getragen von dem überpolitischen Begriff „Demokratie“ und der damit gegebenen Idee der sozialen Gleichwertigkeit. Sein Buch „Kinder fordern uns heraus“ wurde in fast allen Sprachen der westlichen Welt übersetzt.

Für Menschen, die sich auf dem Wege der Selbstfindung befinden, oder Orientierung suchen, bietet die Individualpsychologie Anhaltspunkte zur Gestaltung eines ressourcenorientierten Lebens aufgrund der Erkenntnis Ihrer Fähigkeiten und Ziele.
Statt sich in Fragen und andauernden Betrachtungen der Vergangenheit zu verlieren, steht das Finden eines persönlichen Lebenssinnes und dessen praktische Umsetzung im Vordergrund. Dem Klienten wird hierbei die Fähigkeit zur Eigenverantwortung zugeschrieben. Von Bedeutung für den Erfolg, ist der Grad der Fähigkeit, sich und seine Mitmenschen in den von Alfred Adler definierten drei Lebensaufgaben „Liebe“, „Arbeit“ und „Gemeinschaft“ ermutigen zu können.
Eine große Rolle spielt das ebenfalls von Adler definierte Gemeinschaftsgefühl als Richtwert für das Individuum. Die Entwicklung des Gemeinschaftsgefühls ist jedoch sehr stark von der Fähigkeit abhängig, sich selbst im positiven Kontext mit seinen Mitmenschen zu sehen (Zugehörigkeitsgefühl) und Ressourcen orientiert im Sinne der Werte der entsprechenden Gemeinschaft zu handeln.